Dichter, Denker und
Württemberg
Wein gehört zum Alltag, und so ist es nicht verwunderlich, dass der durchschnittliche Weinkonsum pro Kopf hier doppelt so hoch ist wie im Rest der Republik. Wenn Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, eine Rede zu schreiben hatte, beflügelte Lemberger seine Gedanken. Ähnlich mögen es auch Friedrich Schiller und Friedrich Hölderlin gehalten haben. Am Neckar inmitten von Weinbergen aufgewachsen, gehörte Wein für sie zum Selbstverständlichen, und wer weiß, ob die Muse sie auch ohne einen Württemberger Wein geküsst hätte.
Die Heimat des Kerners
So ist es kein Wunder, dass eine Weinreise an Kunst und Kultur kaum vorbeikommt. Empfehlenswert ist ein Abstecher ins schwäbische Marbach mit dem Schiller-National-Museum und dem Schiller-Haus. In Neckarzimmern kann die Burg Hornburg des Götz von Berlichingen mit Waffenkammer besichtigt werden. Am Eingang des Sulmtals liegt Weinsberg. Der Arzt und Dichter Justinius Kerner ließ hier "Weibertreuringe" herstellen und sammelte aus ganz Deutschland Geld zum Wiederaufbau der Burg "Weibertreu". Nach Justinius Kerner wiederum wurde eine Neuzüchtung der Weinbauschule Weinsberg benannt, die sich als "Senkrechtstarter" unter den neuen Rebsorten erwies.
Die Reste eines römischen Gutshofes mit Kelterhaus aus dem 3. Jahrhundert unweit von Lauffen am Neckar zeugen von der langen Geschichte des Weinbaus hierzulande. Heute wird diese Tradition von den württembergischen Weingärtnern gepflegt und kultiviert. Sie bewirtschaften etwa 11.300 Hektar Rebfläche und bauen die württembergische Ernte zu charaktervollen Rot- und Weißweinen aus. 76 % der Gesamtrebfläche, das sind etwa 8.600 Hektar, werden von württembergischen Weingärtnergenossenschaften bearbeitet.
Das Wein-Anbaugebiet Geographische Lage: Zwischen Reutlingen und Bad Mergentheim; Zentren in Stuttgart und Heilbronn
Klima: Milde Jahrestemperaturen, durch Schwarzwald und Schwäbische Alb geschützte Tallage des Neckars
Böden: Verschiedene Keuperformationen; am mittleren Neckarraum Muschelkalkinseln
Rebfläche: ca. 11.500 ha, 6 Bereiche, 17 Großlagen, 207 Einzellagen
Rebsorten: Trollinger, Riesling, Schwarzriesling, Lemberger, Kerner, Spätburgunder, Müller-Thurgau, Silvaner und als Spezialitäten Samtrot und Frühburgunder (Clevner)
Werbegemeinschaft Württembergischer
Weingärtnergenossenschaften e.G.
Raiffeisenstraße 6, 71696 Möglingen
Tel.: 07141/24 46 11, Fax: 07141/24 46 20
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info@wwg.de | Die Württemberger - Kenner und Bekenner
Die meisten Weingärten liegen in geschützten Flusstälern an Neckar, Rems, Enz, Kocher, Jagst und Tauber. Der Riesling nimmt dabei, wie der Trollinger, fast ein Viertel der Rebfläche ein. Außerdem werden Kerner und Silvaner sowie Spätburgunder, Samtrot, Schwarzriesling und Lemberger angebaut. Gehaltvolle Lemberger oder Burgunder werden heute oft im Barrique, dem 225 Liter fassenden Eichenholzfass, ausgebaut. Die Württemberger sind bekennende Weingenießer und schwäbische Küche und Württemberger Wein sind Synonyme für schwäbische Lebensart.
Ein Loblied auf den Riesling
Kenner sind sich einig. Der Riesling ist der König unter den Weißweinreben. Und wie es sich für eine Majestät schickt, macht sie auf jedem Parkett eine gute Figur. Mit kernigem Charme in Form eines trockenen Qualitätsweins wirkt sie ebenso überzeugend wie als feingliedriger Kabinettwein oder als charmanter Menübegleiter mit zarter Säurenote im Gewand einer gediegenen Spät- und Auslese. Die edle Rebsorte mit ihrer pikanten Säure bietet jedem Weinfreund, gerade in der Sommerzeit, ein frisches und genussreiches Erlebnis. Dies trifft besonders auf die Württembergischen Rieslinge zu, die meistangebaute Weißweinsorte, die je nach Lage und Ausbaumethode ganz unterschiedliche Geschmacksfacetten aufweist. So reicht die Bandbreite der Fruchtaromen von Apfel und Grapefruit über Birne, Pfirsich und Aprikose. Bei halbtrockenen, lieblichen und edelsüßen Weinen können sich dazu noch Geschmackseindrücke entwickeln, die an Ananas, Zitrusfrüchte, Feige, Quitte oder Honig erinnern. Mit seinem dezenten Bouquet erweist sich gerade der Württemberger Riesling als nahezu universeller Menübegleiter und kann in der Regel von der Vorspeise bis zum Fischgang beibehalten werden. Kein Wunder, dass sich die Rieslingsorte bei so viel lobenswerten Eigenschaften immer größerer Beliebtheit erfreut.
Trollinger - "Der Schwabe"
Der Name der spät reifenden, roten Rebsorte deutet auf den Ursprung Südtirol hin und ist möglicherweise eine Verballhornung von "Tirolinger". In Südtirol wurde sie schon zur Römerzeit angebaut. In Deutschland liegt der Trollinger bei den roten Rebsorten mit über 2.500 ha Rebfläche nach dem Spätburgunder und dem Portugieser an dritter Stelle. Im Anbaugebiet Württemberg ist sie seit dem 14. Jh. nachweisbar und hier die häufigste Rebsorte. Als "Haustraube" liefert sie dort den typischen "Vierteleswein" der Schwaben und wird auch als Weißherbst angeboten.
Vom Taubergrund bis zum Albtrauf erstreckt sich das Weinland Württemberg. So vielfältig und abwechslungsreich wie die Landschaft sind die einzelnen Rebflächen. "Muschelkalk-Weine" bescheren Kocher-, Jagst- und Taubertal. Dort geben Silvaner, Müller-Thurgau und Kerner den Ton an. Weinexperten rühmen die duftige, gediegene Art dieser Weine und weisen auf das geschätzte, typische "Bodagfährtle" hin. Neben dem Schwarzriesling erlebt hier eine fast vergessene Rotweinsorte, der Tauberschwarz, wieder eine Renaissance.
Von Öhringen mit Schloßkeller zieht sich ein Kranz von Weinbaugemeinden: Eschelbach, Michelbach, Heuholz, Pfedelbach mit Barockfaß, Verrenberg, Bretzfeld, Adolzfurt, Schwabbach. Über Eberstadt Grantschen geht es zum Herzstück des Unterlandes nach Weinsberg mit der Weinbauschule und weiter über Ellhofen, Willsbach, Affaltrach, Eschenau, Sülzbach, Hößlinsülz, Weiler, Lehrensteinsfeld nach Löwenstein. Lohnend ist ein Abstecher zum Breitenauer See.
In der "Wiege des Württemberger Weines", im Unterland - rund um Heilbronn und ums Weinsberger Tal - sind nahezu alle Sorten im Anbau, wenngleich Trollinger und Riesling dominieren. Während im oberen Talbereich auch Silvaner angebaut wird, herrschen im unteren Tal die Burgundersorten vor. Und dass das Klima schon ein wenig rauer ist, bemerkt man an der rassigen, anregend wirkenden Säure der Weißweine und an der Fülle und dem kräftigen Körper der Rotweine. Südlich, auf der anderen Neckarseite, liegt der "Riesling-Ort" Flein und der für seine "Schwarzrieslingweine" bekannte Weinort Lauffen.
Als ausgesprochenes Rotweingebiet läßt sich die Gegend im Zabergäu und um den Heuchelberg bezeichnen. Der Kenner findet hier elegante Trollinger, gehaltvolle Lemberger, gefällige Burgunderweine und stahlige Rieslingweine vor. Gleichzeitig gilt diese Gegend auch als Heimat des Lemberger Weißherbstes. Zur "schwäbischen Kernlandschaft" wird das Bottwartal durch seine Keuperböden, auf denen alle Rebsorten prächtig gedeihen - vor allem Trollinger, Rieslingweine und Traminer.
Das Landschaftsbild im mittleren Neckartal bestimmen die steilen Muschelkalk-Terrassen bei Mundelsheim, Besigheim und Kirchheim. Dort gedeihen Trollinger, Lemberger, Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau mit Frucht und Fülle, Wärme und Eleganz.
Weine mit Fülle, Wärme und Kraft werden auch im Stromberg gekeltert. Vollmundig und anregend zugleich sind sie alle: Trollinger und Lemberger ganz besonders, aber auch Riesling, Kerner und Müller-Thurgau.
Im Remstal, der mit am bedeutendsten Weinregion vor den Toren Stuttgarts, sind fast alle Württemberger Rebsorten anzutreffen. Hier werden kräftige, füllige und charaktervolle Weine erzeugt, die sich auch durch eine dezente Säure auszeichnen.
Brauner Jura und vulkanischer Boden drücken den sortentypischen Weinen im Raum Oberes Neckartal, Metzingen und Neuffen ihren Stempel auf. Mit frischer Säure, zartnervig und fein, so deklariert der Kellermeister die hauptsächlich weißen Tropfen. Angebaut werden vor allem Silvaner, Kerner, Müller-Thurgau und Spätburgunder.
Im Stuttgarter Raum und in der Esslinger Gegend wachsen an den Steilhängen des Neckartals auf Muschelkalk und Keuper füllige, charaktervolle Trollinger, rassige und fruchtige Rieslingweine und würzige Kerner. Der Boden und das warme Klima eignen sich ebenso für Müller-Thurgau, Portugieser und Dornfelder.
Kennen Sie Herrn Kenner?
Kenner trinken Württemberger, das kennt jeder. Dieser Slogan ist der Inbegriff für den Genuss von Württemberger Wein. Aber kennen Sie den Herrn, dem die Württemberger diesen Spruch verdanken? Niemand anderem als Herrn Kenner selbst. Der erhob regelmäßig in seiner Stammbeiz sein Viertele und prostete: Kenner trinkt Württemberger! Der Rest ist Geschichte. Aus einem Kenner wurden viele und allesamt genießen sie.
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