Wien
Der Wiener Weinbau
680 Hektar Weinbau gibt es, vorwiegend auf Schiefer, Schotter, Lehm und Löss. Hauptsorte ist der Grüne Veltliner. Weißburgunder, Chardonnay und Riesling sind Ergänzungen. Rote Sorten wie Zweigelt und Cabernet Sauvignon sind rar, aber eine Bereicherung.
Heute gibt es rund 300 Weinbauern und 150 rustikale Buschenschanken. Ungefähr die Hälfte tragen das kontrollierte Qualitätszeichen "Der Wiener Heurige". Der Großteil des Anbaus dient der Herstellung des berühmten Heurigen, des unkomplizierten Jungweins. Wein in Wien ist eben Heuriger - aber nicht nur. In den Top-Lagen werden auch Rieslinge, Weißburgunder und Grüne Veltliner von ausgeprägter Finesse, wuchtige Chardonnays und konzentrierte Rotweine gekeltert. Die bekanntesten Stadtviertel mit Weinbau sind im Bereich des Kahlenbergs und Nussbergs Heiligenstadt, Nussdorf, Sievering, Neustift am Walde und natürlich Grinzing. Die Weine vom Bisamberg werden in Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf gekeltert, im Süden Wiens liegen die Weinorte Oberlaa und Mauer.
Von Kelten, Römern und Babenbergern
Der Wiener Weinbau ist vermutlich so alt wie die Stadt selbst. In der keltischen Siedlung "Vedunia" und dem römischen Militärlager "Vindobona" gab es bereits Rebkultur. Durch die günstige Lage Wiens unterhalb des Donaudurchbruchs am östlichen Abhang des Wienerwalds, durchzogen von zahlreichen Bach- und Flussläufen, entstanden ab der Jungsteinzeit Siedlungen und Niederlassungen im Wiener Raum (Hornsteinbergwerk auf der Antonshöhe im Maurer Wald, im 23. Bezirk). Keltische Funde auf dem Leopoldsberg (kelt. Oppidum), in Leopoldau (Bronzenadeln) sowie im 3. und 11. Bezirk belegen die Besiedlung etwa um die Mitte des 4. Jahrhundert v. Chr. Aus der keltischen La-Tène-Zeit stammt der Name des Wienflusses ("Vedunia" = Waldbach), aus dem sich der Name "Wien" entwickelte.
Leopoldau dürfte somit das älteste Siedlungsgebiet in Floridsdorf sein. Die Römer eroberten 15 v. Chr. das Wiener Becken bis zur Donau. Zur Sicherung der Grenze errichteten sie gegen 100 n. Chr. ein Legionslager an der Stelle von Vedunia, das sie Vindobona nannten. Dieses Legionslager (mit einer bald darauf hinzugekommenen römischen Zivilstadt) bildete die Keimzelle für die spätere Stadt Wien. In der Völkerwanderungszeit scheint die Siedlung nie ganz verlassen worden zu sein. Die erste schriftliche Erwähnung Wiens (nach der Antike) stammt aus dem Jahr 881. Im Jahr 976 wurde das fränkische Geschlecht der Babenberger mit der Ostmark belehnt. 1137 verlegten sie ihre Residenz in die prosperierende Handelsstadt Wien.
Die Heurigentradition
Nachweisbar sind die ältesten Wiener Weingärten ab 1132, und im späten Mittelalter waren in allen Stadtteilen Weinberge angelegt. Der Weinbau konzentrierte sich rund um die Kirchen und Klöster, die das Land oftmals an die Bauern verpachteten. Die Tradition, zum Kennzeichnen der Schenken einen Föhrenbuschen über dem Tor anzubringen (daher: Buschenschank) geht auf Karl den Großen zurück. Schon damals wurde den Hauern (daher: Heuriger) für drei Monate im Jahr das Ausschenken ihres Weines gestattet. Bis zum 16. Jahrhundert erreichte der Weinbau in Österreich unterstützt durch Einfuhrverbote und hohe Schutzzölle seine größte Ausdehnung. Die Grundlage für die heutige Heurigenkultur schuf 1784 Kaiser Josef II., der den Weinbauern erlaubte, Lebensmittel aus eigener Erzeugung gemeinsam mit dem eigenen Wein zu verkaufen. Die zunehmende Verstädterung verdrängte zwar viele Weingärten, allerdings konnte diesem Prozess durch gezielte Rekultivierung Einhalt geboten werden.
Die Wiener Buschenschanken und die mit ihnen verbundene Heurigenkultur haben dafür gesorgt, dass sich viele Winzer der ausdehnenden Großstadt widersetzen konnten und Wien heute nicht nur Millionenstadt ist, sondern auch ein relativ großes Weinanbaugebiet.
Ursprünglich als Ausflugsziele für Landpartien rund um die Stadt gelegen, sind die meisten Betriebe heute bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, und nur die Architektur der oft in liebevoll restaurierten Weinkellern angelegten Heurigen zeugt noch vom ursprünglich ländlichen Charakter.
Heute legen die Winzer und ihre Gäste zunehmend Wert auf Qualität. Neben dem Heurigen werden oft auch gelagerte, prämierte Prädikatsweine ausgeschenkt, und an den Bufetts findet sich eine reichhaltige Auswahl an regionalen und saisonalen Spezialitäten. Das war nicht immer so. Für frühere Generationen überwog die Quantität, und nicht zufällig wird der Wein für den Gassenverkauf traditionell in Doppler abgefüllt, war dies doch früher der durchschnittliche Tagesbedarf der Einwohner. Damals lebten die Heurigen noch ausschließlich vom Weinverkauf, die Speisen brachten sich die Gäste selbst mit. 1887 wurde erstmals der Verkauf von Brot in den Buschenschanken zugelassen, und heute in Zeiten des weitgehend maßvolleren Alkoholkonsums ist ein raffiniertes, abwechslungsreiches Speisenangebot für viele Hauer lebensnotwendig.
Die für den Heurigen typische Musik wurde von den 1850 und 1852 geborenen Brüdern Johann und Josef Schrammel kreiert. 1878 gründeten sie gemeinsam mit dem Gitarristen Anton Strohmayer ein Trio, das später durch den Klarinettisten Georg Dänzer zum Schrammelquartett ergänzt wurde. Einige ihrer Kompositionen spielt man übrigens heute noch in den Wiener Buschenschanken, und das wird wahrscheinlich auch noch einige Zeit so bleiben, denn selbst wenn sich der Heurige im Laufe der Zeit an geändertes Konsumverhalten und die Anforderungen moderner Gastronomie anpassen musste, so legt man in Wien doch auch Wert darauf, das manches so bleibt, wie es ist. Und wenn man am Ende einer Sommer- oder Herbstwanderung durch Wienerwald und Weingärten bei einem der traditionellen Heurigen einkehrt, um im Schatten alter Bäume ein Viertel zu trinken, kann man sicher sein, dass das vor hundert Jahren nicht anders gehandhabt wurde.
Salon Österreichischer Wein
Das Wiener Weinsiegel wird nach zusätzlicher Prüfung verliehen und garantiert einen sauberen, typischen Wiener Wein. Die Wiener Kammermedaillen werden in das Etikett gedruckt.
Die 5 besten Wiener Weine bestimmter Kategorien nehmen alljährlich am Salon teil, der seit 1988 Nachfolger der Bundesweinmesse in Krems ist. Ausgestellt werden die 200 besten Weine Österreichs; in den Bundesländern prämiert und unter Berücksichtigung der Rebflächengröße des einzelnen Landes. Die Bewertung umfasst 22 Kategorien, aus denen jeweils ein Sieger ermittelt wird. Die Sieger erhalten das Etikett: Salon österreichischer Wein, Österreichsieger.
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