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Winzertradition am Fuße der Dolomiten

Südtirol

Hier die fesselnde, schneebedeckte Bergwelt der Dolomiten, dort die mediterranen, hügeligen Landschaften der Wein- und Obstgärten - das ist Südtirol. Wohl kaum eine andere Gegend Europas ist von so attraktiven Gegensätzen geprägt. Eine bunte und vielfältige Kulisse öffnet sich südlich der Alpen; zwischen der lombardisch-venetianischen Tiefebene und den Höhen des nördlichen Tirol.

Unter 800 m Meereshöhe befinden sich nur rund neun Prozent der Gesamtfläche Südtirols. Hier wachsen auf rund 4.900 ha Rebfläche die Weine des Landes. Funde von Traubensamen bezeugen die Verwendung der Rebe schon in der Eisenzeit. In der reizvollen Landschaft haben die Reben schon vor Jahrtausenden ideale Voraussetzungen gefunden.

Im Norden bilden die Alpen einen schützenden Wall vor kalten Winden. Von Süden her macht sich der milde mediterrane Einfluss bemerkbar. An die durchschnittlich 1.800 Sonnenstunden sorgen jährlich dafür, dass sich die Weinrebe hier ausgesprochen wohl fühlt.

Eine gute Verteilung der Niederschlagsmengen sowie lockere, gut durchlüftete und leicht erwärmbare Böden - vorwiegend Kalkböden und Ablagerungen von eiszeitlichen Moränen und von Flüssen - tragen zur hohen Traubenqualität bei.

BOZEN
Umrahmt von Wein- und Obstgärten liegt die Landeshauptstadt Bozen am Zusammenfluss von Etsch und Eisack inmitten des breiten Bozner Talkessels. Ihr Ruhm als Weinstadt wird auch heute noch durch zwei autochthone Weine, den St. Magdalener und den Lagrein begründet.

Zu den besten Weinlagen Südtirols gehören seit frühester Zeit die Hügel- und Steillagen des St. Magdalena-Gebietes oberhalb von Bozen. Von den gut durchlüfteten, leicht erwärmbaren Moränenschutt-Böden aus Porphyr- und Dolomitenmaterial stammen die bereits im Mittelalter erwähnten "Botzner Weine", auch als "Bozenäre" und "Poczner" bekannt.

Auf der anderen Seite von Bozen, im Stadtteil Gries, in der warmen Ebene auf den tiefgründigen und gut durchlüfteten Geröll- und Schuttböden von Talfer und Eisack findet der Südtiroler Lagrein seine besten Voraussetzungen. Die typische Südtiroler Rebsorte mit dem unverwechselbaren Charakter hat in den letzten Jahren einen unglaublichen Aufschwung erlebt und ist heute zu einem erstklassigen Aushängeschild der Südtiroler Qualitätsrotweine geworden. Der Lagrein, neben dem Vernatsch der einzige autochthone Südtiroler Rotwein ist wahrscheinlich die älteste Südtiroler Rebsorte überhaupt.

EISACKTAL
Ganze 230 ha sind im Eisacktal mit Reben bepflanzt. Das sind knappe 4,5 % der gesamten Weinbaufläche Südtirols. Die Weine aber, die heute hier gekeltert werden, und dies sind fast ausschließlich Weißweine, haben ihren besonderen Charakter. Eisacktaler Weine versprechen einen besonderen Genuss und sind bei Liebhabern und Kennern begehrt und gesucht.

Im südlichen Eisacktal, im Großraum Klausen, wurden bis um 1950 noch zu 80 % Rotweine gekeltert, darunter vor allem Portugieser und Vernatsch und im Raum Villanders "Furner-Hottler". Nur 20 % der Traubenernte machten die Weißweine aus, vor allem "Blatterle", ein wenig Silvaner, Ruländer und Veltliner. In der Zwischenzeit haben aber auch hier die Weißweine längst ihren Siegeszug angetreten. Einzige Ausnahme als DOC-Wein im Eisacktal macht der rote "Klausner Laitacher".

MERAN
Das Burggrafenamt mit Meran hat sich nicht nur als das Südtiroler Kurgebiet par excellence einen weltweiten Namen gemacht. Auch als Weinbauregion haben Meran und die umliegenden Fremdenverkehrs- und Weinbaudörfer Algund, Dorf Tirol, Schenna, Marling und Lana ihren ganz eigenen Charakter.

Auf knapp 200 ha wird der "Südtirol Meraner" mit den verschiedensten Spielarten der Vernatschrebe angebaut. Gehaltvolle und bekömmliche Weine sind das Ergebnis. Vor allem aber ist es eine Traube, die Meran berühmt gemacht hat: die Meraner Kurtraube, eine Großvernatschtraube von ganz besonders süßer Reife und knackiger Frische, die heute noch wesentlicher Bestandteil jedes Kuraufenthaltes in Meran ist.

TERLAN
Im mittleren Etschtal, zwischen Bozen und Meran liegt das Terlaner Becken, das ähnlich wie das Eisacktal für seine Weißweine berühmt ist und dafür eine eigene DOC-Bezeichnung aufweisen kann.
In den Gemeinden Terlan, Nals und Andrian liegt das Zentrum des Terlaner Weißweinanbaus, in dem Weißburgunder und der klassische Terlaner Sauvignon ganz deutlich den Ton angeben. Dann folgen Chardonnay und der "Terlaner" ohne Sortenbezeichnung (mindestens 50 % Weißburgunder und/oder Chardonnay, der Rest andere Sorten), aber auch Welschriesling und Müller-Thurgau sowie kleine Flächen von Riesling und Silvaner.

Aber auch die Rotweine des Terlaner Beckens haben es in sich. Aufgrund der klimatischen Bedingungen und der sandigen Lehmböden in den tieferen Lagen sind sie besonders voll und gut strukturiert. Da sind vor allem die Cabernets in Nals zu erwähnen, die internationales Niveau erreichen, oder die Merlots aus Siebeneich, die sich hier ebenso in ihrer ganzen Fülle entwickeln.

ÜBERETSCH
Das Überetsch, für viele der Inbegriff Südtiroler Weinbautradition, liegt einladend zu Füßen des Mendelgebirges auf den sanften Hügeln des westlichen Etschtales zwischen Bozen und Tramin. Die beiden traditionsreichen Weinbaugemeinden Eppan und Kaltern sind zugleich auch die beiden größten Weinbaugemeinden Südtirols. Und der idyllisch gelegene und viel gerühmte Kalterersee schließlich gibt dem Ganzen sein mediterranes Gepräge.

Auf den einladenden Kalterer Hügeln gedeiht nicht nur der Vernatsch. Auch Blauburgunder, Merlot und Cabernet finden in den warmen Lagen ausgezeichnete Bedingungen vor, während in den höheren Kalterer Weinbergen Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon fabelhaft gedeihen. Und dann sind da noch der Goldmuskateller zu erwähnen, der hier ganz besonders aromatische Weine hervorbringt, sowie der Rosenmuskateller, der in Kaltern ein zweites zuhause gefunden hat und hier einen ganz besonders typischen und raren Südtiroler Süßwein ergibt.

UNTERLAND
Ein gutes Drittel der Weinbaufläche Südtirols, knappe 1.700 ha, liegen heute in den Weinbaugemeinden des Unterlandes im Süden. Salurn mit 400 ha, Tramin mit 375 und Kurtatsch mit 280 ha liegen dabei eindeutig an der Spitze. Es folgen Margreid, Neumarkt, Montan, Auer und Kurtinig, Pfatten und Branzoll. Die verschiedenen Lagen, die unterschiedlichen Böden und die vielen Mikroklimata in den Unterlandler Weingärten ermöglichen es, dass hier auch das gesamte breite Rebsortenspektrum des Weinbaulandes Südtirol angebaut wird und wächst. Trotz dieser bunten Vielzahl geben aber dennoch einige Rebsorten den Ton an, die hier besonders günstige Voraussetzungen und wohl auch ihren bestmöglichen Ausdruck finden - Gewürztraminer, Chardonnay, Vernatsch, Lagrein und Cabernet.

VINSCHGAU
Das jüngste Südtiroler D.O.C.-Gebiet ist seit 1995 der Vinschgau. D.O.C. (Denominazione di origine controllata) ist gleichbedeutend mit dem deutschen Q.b.A., also der Bezeichnung "Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete".

Der Vinschgau hat eine alte Weinbautradition mit eigenen Bodenbeschaffenheiten und klimatischen Besonderheiten, welche die Vinschgauer Weine bei Freunden und Kennern sehr begehrt machen. Bis in die 70er-Jahre dieses Jahrhunderts vor allem zur Selbstversorgung angebaut und eingekellert, bearbeiten heute über 300 Winzer die Weinberge zwischen Partschins und Kortsch. 60 ha beträgt die Anbaufläche, rund 1,2 % der gesamten Weingärten Südtirols.

      
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