Weinbau-Kleinod mit italienischem Flair
Sachsen
Mit gut 450 Hektar Reben ist Sachsen unter den 13 deutschen Anbaugebieten das kleinste. Die Touristen, die wegen des Dresdner Barocks und des Elbsandsteingebirges kommen, empfinden die Besonderheiten der Sächsischen Weinstraße allerdings als eine willkommene Zugabe. "Elb-Florenz" wird Dresden gerne genannt. Der Beiname rührt auch vom ungemein milden Klima her. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 9,1 Grad Celsius. Wein gibt es dort schon seit dem Mittelalter, die älteste Urkunde darüber stammt aus dem Jahre 1161. Quer durch den "Wärmekanal" von Diesbar bis Pirna zieht sich die Reihe der Weinberge, vorbei am Burgberg von Meißen, wo in der Altstadt viele gemütliche Weingaststätten liegen, zum Schloss Wackerbarth und zum Weinmuseum Hoflößnitz an der Treppe zum Spitzhaus.
Weine aus Sachsen - Wahre Raritäten
Den vielen Vorlieben der Sachsen und ihrer Gäste stehen eine ebenso vielfältige Küche und ein breites Angebot einheimischer Weine gegenüber. Die Hauptsorte in Sachsen ist der Müller-Thurgau. In den letzten Jahren haben jedoch Rebsorten wie Riesling und Weißburgunder an Bedeutung gewonnen und bringen fraglos sehr gute Weine hervor. Eine sächsische Besonderheit ist der Goldriesling, der sich nirgendwo sonst in Deutschland findet. Würde jeder Dresden-Besucher eine Flasche sächsischen Wein mit nach Hause nehmen, so heißt es, wären die Keller der Winzer nach einem halben Jahr leer. Weißburgunder und vor allem Traminer von der Elbe gelten als Rarität: Sie gehören zu den kostbarsten Weinen in Deutschland.Das Weinanbaugebiet Geographische Lage: Elbtal und Neben-täler zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz über 55 km, daneben Bereich Elstertal
Klima: milde Jahrestemperaturen, mittlere Niederschläge
Böden: Vielfältig von Granit- und Granitporphyrverwitterungen bis zu Lehm, Löss und Sandstein
Rebfläche: ca. 420 ha, 2 Bereiche, 4 Großlagen, 17 Einzellagen
Rebsorten: Müller-Thurgau, Riesling, Weiß- und Grauburgunder, Traminer
Weinbauverband Sachsen e.V.
Fabrikstr. 16 - 28, 01662 Meißen
Tel: 0 35 21/76 35 30, Fax: 0 35 21/76 35 40
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Die Elbe ist die Mutter des Weinbaus in Sachsen. Sie ermöglicht an ihren geschützten Talhängen das Wachsen und Gedeihen der Reben bereits seit über 800 Jahren. Legenden weisen aber darauf hin, dass die Ursprünge des Weinbaus bereits viel früher lagen.
Wo am Rhein, am 51. Breitengrad, die letzten Weinberge kurz vor Bonn enden, beginnen sie an der Elbe erst. Sachsen ist das nordöstlichste Anbaugebiet Deutschlands. Dass hier trotzdem, insbesondere bei Weißweinen, Spitzenqualitäten gekeltert werden können, ist Ausdruck einer besonderen Klimagunst, welche der in Sachsen bereits dominante Einfluss des Kontinentalklimas bringt. Dort, wo die Niederschläge noch ausreichen, schafft das Kontinentalklima aufgrund seiner hohen durchschnittlichen jährlichen Sonnenscheindauer für das Wachsen und Reifen optimale Bedingungen. Das Elbtal liegt mit einer Sonnenscheindauer von 1.570 Stunden im Jahr gleich auf beziehungsweise zum Teil sogar noch höher als einige der übrigen deutschen Anbaugebiete.
Dem besonderen Mikroklima verdankt die Region das Gedeihen der Reben im nordöstlichsten Weinbaugebiet Deutschlands. Vor reichlich 800 Jahren brachten fränkische Siedler und die Kirchen und Klöster den Weinbau an die Elbe. Mehrere Jahrhunderte lang beeinflusste er als einer der bedeutendsten sächsischen Wirtschaftszweige die Kultur und Tradition der Menschen. Alte Winzerhäuser, Weinbergskirchen und einige historische Weinschänken zeugen noch heute von dieser weinseligen Zeit. In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts gingen die Erträge stark zurück. Misswuchs, Frost und Kriege, die Einschränkung der Zollgrenzen und das Aufkommen anderer Getränke führte dazu.
Die typischen terrassierten Steillagen sind ein besonderes Kleinod des Weinbaus in Sachsen, denn hier am steilen Hang, im Widerschein der Elbe und der Rückstrahlung der Bruchsteinmauern, gedeihen die großen Weine dieser Region wie Weiß- und Grauburgunder und vor allem Traminer. Der besondere Charakter des Sachsenweines wird auch durch die sehr unterschiedlichen Bodenarten bestimmt, denn das Elbtal ist durch eine Vielzahl geologischer Formationen geprägt. Dementsprechend variantenreich ist der Charakter dieser Weine. Zu einem besonderen Erlebnis wird der Weingenuss in Verbindung mit der Landschaft des Elbtals, die wie der Wein ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter hat. Einmalig ist im Elbtal die Verbindung von Baukunst und Weinbau: Schlösser, Lust- und Herrenhäuser, Weinbergkirchen, alte Winzerhäuser und Weinschänken zeugen davon.
Diese Einheit ist es, die gerade hier in der "Königlichen Sonnenstube", wie das Weinland an der Elbe einst bezeichnet wurde, spürbar ist. Schon damals wussten die sächsischen Könige die edlen Tropfen zu schätzen. In ihrem Streben nach vollendetem Genuss holten sie italienische Künstler und Baumeister ins Land. Die hinterließen besonders in Dresden ihre barocken Spuren - und auch die mediterrane Stimmung. Wie dem auch sei - heute kann sich kein Besucher der Faszination dieser Architektur inmitten der lieblichen, vom Klima begünstigten Weinlandschaft entziehen. Überall sind Zeugnisse einstiger Weinbergsherrlichkeit zu entdecken. Aber auch die Gegenwart ist fesselnd genug: liebevoll sanierte Winzerhäuser mit neuzeitlichem Komfort, moderne Kellereien und gemütliche Weinstuben sind Beleg für den Fleiß und das Lebensgefühl der Menschen, die an der Sächsischen Weinstraße arbeiten und leben. Nach dem Tageswerk wird sich gern bei einem Gläschen trockenen Weins entspannt, und bei den zahlreichen Weinfesten geht es ausgelassen und fröhlich zu - Weingenuss und Lebenslust gehören hier ganz einfach zusammen.
Eine Wende brachte die Gründung der "Sächsischen Weinbaugesellschaft" im Jahre 1799, deren größter Verdienst die Errichtung der ersten europäischen Winzerschule ist. Darüber hinaus gelang es der Weinbaugesellschaft, Hemmnisse der feudalen Struktur im Weinbau zu beseitigen. Um 1840 betrug die Weinbaufläche in Sachsen noch 1636 ha, und 8000 Beschäftigte befassten sich mit dem Weinbau. In der Folgezeit war der Niedergang des Weinbaus nicht mehr aufzuhalten. Anderen landwirtschaftlichen Kulturen, wie Aprikosen und Erdbeeren, wurde der Vorrang gegeben. Die Verseuchung der Weinberge durch Reblausbefall und Bodenspekulationen taten ein Übriges. Nach der Jahrhundertwende war der Weinbau im Elbtal fast ganz zum Erliegen gekommen. Um die Jahrhundertwende war man in Frankreich mit der Veredelung europäischer Edelreben auf amerikanischen Wildreben erfolgreich. In Sachsen wurde 1907 in Seußlitz der erste Weinberg nach diesem neuen Verfahren aufgerebt.
Es folgten Flächen in Meißen und Radebeul. Mitte der 20er-Jahre richtete der "Weinbauverband Meißen und Umgebung" erneut einen Musterweinberg ein. Zur gleichen Zeit wurde in der Oberlößnitz die "Staatliche Weinbauversuchs- und Lehranstalt Hoflößnitz" gegründet. Einige Jahre später bildete sich die "Vereinigung zur Förderung des Kleinweinbaues in Meißen und Umgebung" als Vorgängerin der heutigen 13 Weinbaugemeinschaften des Elbtales. Die Rebflächen dieses Vereines und des Weinbauvereines gingen in die "Sächsische Winzergenossenschaft" ein. Nach 1945 betrug die Rebfläche im Elbtal 67 ha. Seit 1955 erfolgte eine stetige Zunahme dieser Fläche. Hieran waren verschiedene landwirtschaftliche Genossenschaften, das heutige Staatsweingut in Radebeul und vor allem die Nebenerwerbswinzer der Winzergenossenschaft beteiligt. Während erstere überwiegend traktorengängige Lagen aufrebten, ist es den Nebenerwerbswinzern zu verdanken, dass ein Großteil der durch Mauern und Terrassen gegliederten Steillagen wieder mit Reben bepflanzt wurde. Mit der politischen Wende im Jahr 1989 ergaben sich im Weinbau einschneidende Veränderungen. Neben der Einführung der einheitlichen Weingesetzgebung war die Wiedereinführung des Kelterns getrennt nach den einzelnen Weinberglagen eine einschneidende Neuheit. Die Angebotspalette verbreiterte sich, weil das Staatsweingut Weine wieder selbst ausgebaut und weitere Weingüter neu- bzw. wiedererstanden hatte.
In Sachsen könnte mehr Wein geerntet werden, ohne dass die Qualität darunter leiden würde. Es dürfte schon etwas mehr Sachsen-Wein geben, sagen die Sachsen, aber nicht zuviel. Die Sachsen-Weine sind Raritäten. Ein schlichter Schoppen kostet mehr als 5,- Euro pro Liter. Doch wer nur einmal in einer der gemütlichen sächsischen Weinstuben eingekehrt ist, wird feststellen, dass sein Geld hier wahrlich gut angelegt ist.
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