Romantik pur
Mittelrhein
"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin, ein Märchen aus uralten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein." Heinrich Heine, 1823.
Mit diesen Zeilen machte Heinrich Heine die Loreley weltbekannt. Heute ist der Mittelrhein als Weltkulturerbe anerkannt und wirbt für die Region mit einer einmaligen Kombination aus fortschrittlichem Rebbau und Burgenromantik. Im Herzen dieser einzigartigen Flusslandschaft liegt Koblenz, eine der größten Städte mit Weinbau überhaupt, mit so mancher gemütlichen Weinstube in seinen Mauern. Eine malerische Kulisse bietet das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. Von Burgen gekrönte Rebhänge und mittelalterliche Städtchen mit herrlichen Fachwerkhäusern schmücken das Rheinufer. Es findet sich kaum eine Gasse ohne "Straußwirtschaft", "Weinstube" oder "Gutsschänke". St. Goar und St. Goarshausen sind ebenso wie Oberwesel mit seiner fast vollständig erhaltenen Stadtmauer beliebte Ausflugsziele.
Am Donnerstag, dem 27. Juni 2002, fiel in Budapest die Entscheidung! Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf seiner 26. Sitzung das Mittelrheintal zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz zum Weltkulturerbe erklärt.
Dieser rund 65 km lange Abschnitt des Oberen Mittelrheintals ist eine Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit. In der Vergangenheit oft Grenze, dann wieder die Kulturen verbindend, ist diese Region in die Geschichte des Abendlandes eingebettet. Baudenkmäler von größter Bedeutung sind hier wie wohl in keiner anderen europäischen Kulturlandschaft erhalten geblieben.
Bedingt durch die schwierigen Bearbeitungsverhältnisse in den Steillagen ist die Produktionsfläche seit 1900 auf heute etwa 530 Hektar zurückgegangen. Geblieben sind die charaktervollen, herzhaften und fruchtigen Weine - drei Viertel davon aus Riesling-Reben, die ihre Ausprägung den kargen Tonschieferböden verdanken.
Das Weinanbaugebiet Geographische Lage: 100 km lang auf beiden Seiten des Rheins, von der Nahe bis Koblenz bzw. bis zum Siebengebirge
Klima: Viele Sonnentage und windgeschützte Lagen; der Rhein wirkt als Wärmespeicher
Böden: Schiefer- und Grauwackenverwitterungsböden, vereinzelte Lössinseln; im Norden Böden vulkanischen Ursprungs
Rebfläche: ca. 470 ha, 2 Bereiche, 11 Großlagen und 111 Einzellagen
Rebsorten: Riesling, Müller-Thurgau, Kerner und Spätburgunder
Mittelrhein-Wein e.V.
Am Hafen 2, 56329 St. Goar
Tel.: 0 67 41/77 12, Fax: 0 67 41/77 23
www.mittelrhein-wein.com
info@mittelrhein-wein.com | Der Mittelrhein ist das Anbaugebiet mit dem höchsten Steillagenanteil aller deutschen Anbaugebiete. Hier ist auch der wesentliche Grund für den Rückzug aus dem Weinbau zu suchen. Obwohl über 90 % der Rebfläche mittlerweile flurbereinigt sind, konnte dies den Rückzug aus dem Weinbau nicht aufhalten. Der Mittelrhein gliedert sich heute in 5 % Terrassenlagen, 85 % Seilzuglagen und 10 % direktzugfähiges Gelände.
Sie sind oft sehr steinig. Daraus resultiert ihre gute Erwärmbarkeit und ihr gutes Wasseraufnahmevermögen bei Starkregen. Dies ist auf den mehrheitlich steilen Standorten besonders wichtig, da dadurch die Gefahr von Bodenschwemmungen gemindert wird. Im nördlichen teil des Anbaugebietes sind vulkanische Bims- und Tuffböden anzutreffen.
Das Klima ist im zum Teil sehr engen Rheintal stark durch dessen wärmespeichernde Wassermassen geprägt. Mit 40 - 48 Tagen im Jahr, an denen die Temperatur die 25°-Grenze erreicht bzw. überschreitet, gehört der Mittelrhein zu den wärmsten Landstrichen Deutschlands. Milde Winter, eine früh einsetzende Vegetation und lange Vegetationsperioden bilden optimale Voraussetzungen für den Weinbau, speziell für den Riesling. Die Durchschnittstemperatur liegt bei knapp 10° C und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge liegt bei ca. 650 mm.
Die kleinen Erntemengen machen die Weine vom Mittelrhein zu besonderen Raritäten, die von Kennern und Liebhabern, aber auch von den durchreisenden Touristen besonders geschätzt werden. Feste um den Wein haben das ganze Jahr über Saison. Der Höhepunkt: das Weinforum Mittelrhein am ersten Septemberwochenende auf Burg Rheinfels/St. Goar am Loreley-Felsen.
Das Weinanbaugebiet Mittelrhein ist aus historischer Sicht eines der ältesten in Deutschland. Der Weinbau kam spätestens in römischer Zeit in die Beckenlandschaft zwischen Koblenz und Neuwied. Dort wurde er in ebenen Weingärten betrieben, was archäologische Funde in der Gemarkung Miesenheim bei Andernach beweisen. Urkundlich erwähnt wurde erstmals der Weinort Boppard im Jahre 643. Bis zum Hochmittelalter wurden auch die Steilhänge zwischen Koblenz und Bingen, sofern sie sich wegen ihrer Südlage eigneten, terrassiert und für den Weinbau erschlossen. In der Entrichtung der "Tranksteuer" vom 28. 2. 1579, die der Landgraf Philipp einführte, wurde festgelegt, dass Wirte ausschließlich den Wein des Landes verkaufen dürfen, bis dieser verkauft und verzapft ist.
Dabei entwickelte sich die heute noch bedeutende Weinstadt Bacharach zum wichtigsten Weinmarkt am Mittelrhein. Hier wurden nicht nur die Weine Bacharachs und der näheren Umgebung zum Kauf angeboten. Auch die Erzeugnisse des Viertälergebietes mit den Orten Ober- und Niederheimbach, Manubach, Rheindiebach, Oberdiebach und Steeg sowie viele Weine aus den südlicher gelegenen Weinregionen, wie beispielsweise dem Rheingau, Rheinhessen und aus der Pfalz, ja sogar aus dem Badischen und dem Elsass wurden hier gehandelt. Die Weine mussten wegen der für die Schifffahrt gefährlichen Klippen im Binger Loch (Mäuseturm) auf dem Landweg oder mit kleineren Schiffen ohne nennenswerten Tiefgang nach Bacharach transportiert werden. Dort wurden sie auf die großen Schiffe der Kölner Weinkaufleute umgeladen und unter der Bezeichnung "BACHARACHER" bis nach England und Skandinavien weiter verkauft.
Das Flusstal am Mittelrhein stellte im Spätmittelalter die Achse des Reiches dar und war zu dieser Zeit die Hauptverkehrsstraße. Vier der sieben an der Königswahl beteiligten Kurfürsten, Kur-Mainz, Kur-Trier, Kur-Köln und Kur-Pfalz, waren territorial mit Herrschaftsgebieten am Mittelrhein beteiligt und trafen sich häufig in den bedeutenden Weinstädten des Mittelrheins zu Beratungen über die Reichspolitik. Burgen und Schlösser am Strom künden noch heute von dieser großen historischen Epoche. Die Rebflächen gingen nach dem 30-jährigen Krieg stark zurück. Damals entstand aus der grandiosen Flusslandschaft, die die Natur geschaffen hat, eine Kulturlandschaft einmaliger Prägung und Wirkung. Als Clemens Brentano, ein gebürtiger Ehrenbreitsteiner, zusammen mit Achim von Arnim 1802 eine Rheinreise von Mainz nach Koblenz unternahm, waren die beiden derart von der Schönheit der Landschaft mit ihren mittelalterlichen Städten und Burgen begeistert, dass sie mit ihrer Idee, Volkslieder, Sagen und Märchen zu sammeln, die Begründer der Rheinromantik wurden. Von diesem Geist inspiriert, besuchten viele Dichter, Maler und Musiker den Mittelrhein und schufen hier bedeutende Werke. So wie die berühmten englischen Maler William Turner, Georg W. Stanfield, William Callow und viele andere Künstler füllten sie ihre Skizzenbücher mit Motiven dieser Burgen und Ruinen und schufen die herrlichsten Landschaftsbilder. Die Reisehandbücher von John Murray in England und Karl Baedeker in Koblenz trugen dazu bei, dass Engländer, Niederländer und Deutsche in großer Zahl als Touristen den Rhein befuhren, um das Land der Loreley selbst in Augenschein zu nehmen. Bis heute hat der Mittelrhein seine Anziehungskraft als touristische Region behalten.
Alle zwei Jahre schlüpft eine der schönsten Rheintöchter in das Gewand der Sagenfigur; ihretwegen jedoch "verschlingen die Wellen am Ende Schiffer und Kahn" nun nicht mehr.
Die "Rheinische Fröhlichkeit", die die Mittelrhein-Region verbreitet, hat aber neben der romantisch-geistigen auch eine kulinarische Seite. "Essen und Trinken" hält auch hier Geist und Seele zusammen. Zu beiden Seiten des Flusses und im Umfeld des Loreley-Felsens gibt es eine Menge Möglichkeiten, regionale Spezialitäten zu genießen. Ob "Backes-Krumbeere" oder "Rieslingsuppe", "Himmel und Erde" und der beliebte "Rheinische Sauerbraten" gehören zu den gewachsenen Gerichten der Region. Dass dazu nichts besser passt als Wein vom Mittelrhein ist eine Selbstverständlichkeit.
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