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Von Schengen nach Wasserbillig

Luxemburg

Geschichte
Überlassen wir es den Experten, sich auch weiterhin darüber zu streiten, ob die Römer die Rebe an die Mosel gebracht und angebaut haben oder ob sie dieselbe bei ihrer Ankunft bereits hier vorgefunden haben. Wesentlich ist eigentlich nur, fest zu halten, dass sich der moselländische Weinberg sicheren Fußes in sein drittes Jahrtausend hinein begibt. An den Ufern des Flusses durchgeführte archäologische Ausgrabungen haben es erlaubt, Gegenstände und Grabbeilagen zu Tage zu fördern, auf welchen häufig Trauben und Weinblätter als verzierende Elemente vorkommen. Verschiedene dieser Fundgegenstände gehen auf das zweite Eisenzeitalter, um das 6. Jh. vor Chr., zurück.
Schon 1925 wurde das staatliche Weinbauinstitut in Remich gegründet zur Reglementierung des Weinanbaus in Luxemburg. Das ist auch der Beginn des absoluten Qualitätsbewusstseins im Weinanbau auf internationaler Ebene.

Der Weingenuss
Die Mosel bildet zwischen Schengen und Wasserbillig über eine Entfernung von 42 km hinweg eine natürliche Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland. Dabei fällt der Höhenunterschied gegenüber dem Meeresspiegel von 142 auf 129 Meter ab. Der Weinberg der luxemburgischen Mosel produziert heutzutage Weine von ausgezeichneter Qualität und ausgesprochenem Charakter. Diese so sehr geschätzten Weine verdanken ihre Entstehung einer Reihe von Umständen, wie dem fruchtbaren und mit Sorgfalt bearbeiteten Boden sowie dem leidenschaftlichen Eifer und der professionellen Einstellung der permanent auf die Produktion von Qualitätsweinen ausgerichteten Winzer. Der luxemburgische Weinberg an der Mosel verdient seinen Platz unter den großen Herkunftsbezeichnungen.

Die Weinstraße
Auf einer Länge von 42 Kilometer, von Schengen bis Wasserbillig, wachsen die Reben auf den Hängen des weiten Moseltales, das eine Breite zwischen 300 und 400 Metern aufweist. Der nach Süden exponierte luxemburgische Weinberg im Moseltal ist eines der nördlichsten Weinanbaugebiete für Qualitätsweine. Die Weinberge liegen meistens 150 bis 250 Meter über dem Meer. Das Anbaugebiet gehört, geologisch gesehen, zur Triasformation. Das ganze Areal ist in zwei große, unterschiedliche Gebiete eingeteilt: Im Kanton Remich wachsen die Reben hauptsächlich auf Keuper mit Tonmergel. Hier ist das Tal ziemlich weit offen und die abgerundeten und weich fallenden Hänge geben Weine, die voll und harmonisch wie die Landschaft sind. - Im Kanton Grevenmacher überwiegen klüftige Stufen von Muschelkalk. Die langsame Erosion hat zu einem engeren Tal mit steil abfallenden dolomitischen Hängen geführt, welche rassige und elegante Weine erzeugt. Die Weinrebe ist eine edle Kulturpflanze und sie stellt viele klimatische Ansprüche. Die Temperatur, die Niederschlagsmenge und die Sonneneinstrahlungsdauer spielen eine ausschlaggebende Rolle.
Infolge der geologischen Beschafftenheit und seiner geographischen Lage ist das Weinanbaugebiet durch ein maritimes Klima mit kontinentalem Einfluss begünstigt. Das Moseltal verfügt daher über ausgezeichnete Voraussetzungen für diese Art von Kultur. Die Winter sind nur mäßig kalt und im Sommer ist die Temperatur nur selten extrem hoch. Die durchschnittlichen Temperaturschwankungen sind geringfügig und schaffen daher ausgezeichnete Bedingungen für die Herstellung von Qualitätsweinen. Die Niederschläge betragen im Schnitt 725 mm.

Luxemburgische Weine
Bereits in den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts fasste die Luxemburger Regierung den Entschluss, offiziell über die Qualität der einheimischen Agrar- und Weinbauprodukte zu wachen. Dies führte zu dem Gesetz vom 02. Juli 1932. Diese Maßnahme wurde getroffen, um dem Konsumenten neben der Herkunft der Produkte auch die Überwachung ihrer Qualität zu garantieren. Es wurde die "Marque Nationale" für den luxemburgischen Wein geschaffen. Die Qualität der Weine ist erkennbar an der Halsschleife oder dem Rückenetikett mit der Aufschrift "Marque Nationale - Appellation Contrôlée" (12,0 bis 13,9 Punkte).
Mit Ausnahme des Elbling können auch höhere Qualitätsstufen angegeben werden, wie zum Beispiel "Vin classé" (14,0 bis 15,9 Punkte) oder "Premier cru" (16,0 bis 17,9 Punkte). Dem Rivaner steht lediglich die Prädikatsbezeichnung "Vin classé" zu. Die Weine werden nach einem besonderen Punkteverfahren klassifiziert, zwischen 12 und 20 Punkten.
Die mit der Prädikatsbezeichnung "Premier cru" ausgezeichneten Weine haben das Recht, an einer dritten organoleptischen Prüfung teilzunehmen und, wenn sie 18 bis 20 Punkte erzielen, als Qualitätswein der "Marque Nationale - Appellation Contrôlée" mit der höchsten Prädikatsbezeichnung "Grand Premier Cru" vermarktet zu werden.

Die Weine werden erzeugt durch:
a) die Winzer, die Mitglieder einer Kellereigenossenschaft sind. Das sind etwa 62 % der Landesproduktion.
b) die Privatwinzer. Sie erbringen etwa 21 % der Landesproduktion.
c) den Weinhandel mit ca. 17 % der Gesamtproduktion.

Groß ist der Einfluss der äußeren Umstände, welche die Geburt eines großen Weines beeinflussen. Entsprechend größer muss die Kunst des Winzers sein, um die Fülle aller Einzelheiten zu beherrschen und einen von Kennern gesuchten Wein zu schaffen.
Kurzportraits der Luxemburgischen Weine
Der "König" der Weine, der Riesling: Seine duftende, trockene und vollmundige Fruchtigkeit, sein reichhaltiges Frucht-Bouquet machen ihn besonders beliebt.
Wein von ausgeprägter Feinheit, rassig und von schöner Eleganz. Seine Blume ist besonders zart und köstlich.
Der Pinot Gris, in Deutschland der Graue Burgunder oder, lieblich ausgebaut, der Ruländer, ist auf verschiedene Mutationen des Pinot Noir zurück zu führen. Es ist ein sehr zarter Wein mit vollmundiger, würziger und gehaltvoller Art. Ein unverkennbar typischer Wein. Er ist füllig und reich an Extrakten, die seine Üppigkeit ausmachen.
Der Pinot Blanc ist ein aus mehreren Mutationen des Pinot Gris entstandener eleganter, frischer und geschmeidiger Wein, in Deutschland der Weiße Burgunder. Die Traube ist von mittlerer Größe und eher zylindrisch. Die Beeren sind ziemlich zusammengepresst, leicht eiförmig und von gelbgrünlicher Farbe.
Die Rebsorte Pinot Noir ist für die Herstellung von Rot- und Roséweinen bestimmt. In Deutschland ist es der Blaue Spätburgunder. Es ist eine aus dem Burgund stammende Rebe. Die Rebsorte zeichnet sich durch Frucht und elegantes Bouquet aus.
Der Wein mit einem ausgeprägtem Bouquet, der Auxerrois, lässt sich sehr gut lagern. Der Wein ist elegant, fruchtig, körperreich und besticht durch besondere Aromen.
Der Ursprung des Gewürztraminer soll im Elsass oder in Südtirol liegen. Dies ist eher belanglos. Hauptsächlich ist er rassig. Ein Wein von unverkennbarem Aroma, mit einem würzigen Bouquet und von großer Eleganz. Er bezaubert Nase und Gaumen.
Der Rivaner (Riesling x Silvaner) oder Müller-Thurgau, ist die in Luxemburg meistverbreitete Rebsorte. Er ist aus den von Prof. Dr. H. Müller aus Thurgau 1882 durchgeführten Züchtungsarbeiten entstanden. Der Rivaner ist ein angenehm milder Wein mit einem typischen Duft. Der Wein wird jung getrunken.
Der Elbling wird in der Moselgegend seit der Römerzeit angebaut. Der Elbling ist ein leichter Wein mit kennzeichnender Frische und einer typischen Säure, welche ihn zu einem ausgezeichneten durststillenden Wein machen.
Nach dem Vorbild der Vorschriften der "Marque Nationale" für die Stillweine sind ebenfalls Regeln zur Gewährleistung der Qualität bei der Herstellung von Schaumweinen geschaffen worden. Die "Marque Nationale" der Luxemburger Schaumweine ist durch Regierungsbeschluss vom 18. März 1988 in Kraft getreten. Der Sekt, ein Cuvée, enthält ausschließlich Weine von der Luxemburger Mosel.
Der Verlockung des "Cremant de Luxemburg" kann man nicht widerstehen. Er ist der unentbehrliche Begleiter aller wichtigen Augenblicke. Als unvergleichlicher Partner steigert er alle kleinen und großen Momente des Lebens in wahre Höhepunkte und lässt sie unauslöschlich weiterleben. Sein delikater Duft, sein frischer Geschmack und sein subtiles Aroma bezaubern Nase und Gaumen des Feinschmeckers. Der Cremant de Luxemburg vervollständigt äußerst glanzvoll die Skala der Qualitätsprodukte des luxemburgischen Weinbaus.

Was man sehen sollte
An den Windungen und Schleifen der Mosel gelegen, warten die Gemeinden Mondorfles-Bains, Remerschen, Wellenstein, Remich, Stadtbredimus, Wormeldange, Grevenmacher und Mertert-Wasserbillig auf die Besucher, um ihnen den unverfälscht natürlichen Charme dieser Region zu enthüllen. Rebenbewachsene Steilhänge, jahrhundertealte Weinkeller, kulinarische Genüsse, charakteristisches Kulturgut, Dörfer inmitten von grünen Landschaften, Flusstourismus - das ist die luxemburgische Moselregion. Wanderungen, Radtouren, Schifffahrten, Wassersport, Kultur, Weinfeste und Veranstaltungen bilden einen idealen Rahmen für einen Besuch.
Das "Domaine Thermal", die wohltuenden Heilquellen in Mondorf, sind weit über die Grenzen hinaus bekannt und ziehen jährlich viele Besucher aus dem In- und Ausland an. Die Pfarrkirche von Mondorf aus dem 18. Jh. ist ein Juwel aus der Zeit des Rokoko.
In der Nachbarortschaft Altwies entdeckt der Besucher eine Barockkirche aus dem Jahre 1736 und das Kastell, einen steilen Felssporn, auf dem eine hübsche Kapelle steht.
Ellange beeindruckt durch die zahlreichen Blumendekorationen an Straßen und Häusern.
Schengen ist bekannt durch das "Schengener Abkommen" von 1990. Im Schloss, erbaut 1812, wohnte 1871 Victor Hugo. 1792 machte Johann Wolfgang von Goethe hier Station.
In der Kirche von Remerschen, die dem Hl. Sebastian gewidmet ist, kann man Fresken des Malers Ignatius Millim aus dem 18. Jh. bewundern.
Ein besonderes Merkmal von Remich ist die Dekanatskirche aus dem Jahre 1817 mit einem romanischen Turm aus dem 12. Jh., der auf den Fundamenten eines Wachturms aus der Römerzeit errichtet wurde. Eine ausgezeichnete touristische Infrastruktur trägt wesentlich zur Attraktivität Remichs bei.
Die Ortschaft Stadtbredimus, deren Wurzeln bis zu den Kelten zurück reichen, kann auf eine bemerkenswerte römische Vergangenheit zurückblicken. Das Schloss aus dem 15. Jh. ist heute Sitz der Winzergenossenschaftsvereinigung Vinsmoselle.
Malerische Gassen und schöne Winzerhäuser prägen die pittoresken Ortschaften Ehnen, Wormeldingen, Ahn und Machtum, die auch für ihre ausgezeichneten Restaurants bekannt sind.
Grevenmacher war schon vor der Römerzeit besiedelt. Im 13. Jh. wurde eine beeindruckende Festung mit vier Toren und 28 Türmen in Grevenmacher gebaut, um seine Besitztümer gegen die mächtigen Trierer Erzbischöfe zu schützen.
In Mertert und Wasserbillig können sich Freunde der römischen Geschichte mit Interesse den gallo-römischen Überresten widmen. Die Barockkirche von Wasserbillig mit ihrem lieblichen Glockenspiel ist bekannt wegen des schönen Altars aus dem 18. Jh., der aus dem Kloster von Bernkastel stammt.

      
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