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Weinmacher, Bocksbeutel und Barock

Franken

Mitten im Herzen Deutschlands liegt es, das fränkische Weinland. Mainfranken und Weinfranken kann man getrost als Synonym bezeichnen. Entdecken Sie die vielfältigen Landschaften, genießen Sie seine Naturschönheiten und erforschen Sie seine reichhaltige Kultur. Dort in ihrer Heimat, wo sie wachsen und gedeihen - die Frankenweine - lernen Sie die vielen herausragenden Weine der Region am besten kennen. Die Franken sind stolz auf ihre Weine, stolz auf den Bocksbeutel, eine eigenwillig bauchige Flasche, die augenfälliges Markenzeichen für Frankenwein geworden ist. Aber auch stolz auf die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die schöne Landschaft und die reichhaltige Geschichte, der man bei einer Weinreise durch Franken auf Schritt und Tritt begegnet. Mittelalterlich kommt Miltenberg daher mit seinem jahrhundertealten Stadtbild. Mittelpunkt Weinfrankens ist die alte Bischofsstadt und Frankenweinmetropole Würzburg, seit jeher Hochburg kulturellen Lebens. Zahlreiche Kunstschätze, wie die von Balthasar Neumann erbaute Residenz mit dem weltgrößten Deckengemälde von Tiepolo und die Skulpturen Tilmann Riemenschneiders, zeugen vom Schaffen bedeutender Künstler. Heute vermittelt die Universitätsstadt am Main mit ihren zahlreichen Plätzen, gemütlichen Weinstuben und Straßencafes, überragt von der Festung Marienberg, das Bild heitersonniger Gelassenheit. Am schönsten erschließen sich die vielfältigen Reize Frankens dem Besucher bei einer Fahrt auf der berühmten "Bocksbeutelstraße".
In Volkach, im Zentrum des fränkischen Weinbaugebiets, kann eine Besichtigung in das 1544 erbaute neue Rathaus oder zum sehenswerten Schelfenhaus führen. Die Liste ließe sich beliebig fortführen, gibt es doch entlang der zahlreichen Weinstraßen noch viele kleine Orte und Städtchen mit prächtigen Bauwerken und gemütliche Restaurants, die bei einem Glas Frankenwein zum Verweilen einladen.

Das Weinanbaugebiet

Geographische Lage: Zwischen Aschaffenburg und Schweinfurt an den südwärts gerichteten Talhängen des Mains und seiner Nebenflüsse
Klima: überwiegend kontinental, trockene, warme Sommer, kalte Winter
Böden: Verwitterungsböden des Urgesteins und Buntsandsteins im Mainviereck in Unterfranken und Spessart, Lehm-, Löss- und Muschelkalkböden im Maindreieck bei Wertheim und Miltenberg, Keuperböden im Bereich Steigerwald
Rebfläche: ca. 6.100 ha, aufgeteilt in 3 Bereiche, 23 Großlagen, 216 Einzellagen
Rebsorten: Müller-Thurgau, Silvaner, Kerner, Bacchus, Scheurebe, Riesling, Spezialitäten wie Rieslaner und Spätburgunder

Frankenwein-Frankenland GmbH
Kranenkai 1, 97070 Würzburg
Tel.: 0931/390110, Fax: 0931-3901155
www.haus-des-frankenweins.de
kontakt@haus-des-frankenweins.de

Auf einer Rebfläche von etwa 6.000 Hektar wachsen "fränkisch-trockene Weine", übrigens ein geflügeltes Wort unter Winzern und Weinkennern. Und genauso sind Silvaner und Franken für Genießer eine unverkennbare Einheit. Wohl in keinem anderen Anbaugebiet kann die Silvanerrebe so sehr zeigen, was in ihr steckt. Durch die Arbeit innovativer Weinmacher entstehen Weine von Weltformat. Schon Kurt Tucholsky empfand diesen Wein als "tief und rein wie einen Glockenton" und bedauerte, dass man eine solche Köstlichkeit "nicht streicheln kann". Die geologischen Hauptformationen der Weinbergböden in Franken sind Muschelkalk im Maintal um Würzburg, Gipskeuper am Steigerwald, Buntsandstein am Main um Miltenberg, Urgestein im Kahlgrund nordwestlich Aschaffenburgs, Lettenkeuper sowie Flugsande an der Volkacher Schleife.
Der Wunsch nach besseren, haltbaren und schmackhafteren Weinen erforderte das Züchten leistungsfähiger erstklassiger Rebsorten, die widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge sind und gesicherte Erträge unter reduziertem Aufwand erbringen. Schließlich sollen die Reben den Trauben und damit auch dem späteren Wein wertvolle Inhaltsstoffe in ausgewogener Form zuführen, damit eine harmonische Weinqualität erzielt wird.
Der Pfropfrebenanbau stoppte in den letzten Jahrzehnten das Vordringen des gefürchteten tierischen Schädlings, der Reblaus. Reblausfeste Unterlagsreben, die selbst keine Früchte tragen, sind längst Standard in Franken. Gepfropfte Reben leisten mehr als wurzelechte. Die Spitzenweine Frankens kommen heute von veredelten Reben. Der Silvaner ist unumstritten Frankens König. Aber auch fränkischer Müller-Thurgau, modern und fruchtig im hellen Bocksbeutel, macht Furore. Klassiker sind Riesling, Weißburgunder und Bacchus, die auf den geschützten warmen Steillagen entlang dem Main bestens gedeihen. Rotweine sind eine besondere Spezialität, die in Franken zunehmend an Bedeutung gewinnt. Vom Untermain rund um Klingenberg und Bürgstadt über Würzburg und die Mainschleife bei Volkach bis hinüber an die Westhänge des Steigerwaldes wachsen Rotweine.

Rotweine in Franken
Denkt man an guten Rotwein, so fallen einem sogleich Namen wie Bordeaux, Burgund oder Piemont ein. Vielleicht ist es noch ein Geheimtipp, dass Franken ebenfalls in Sachen Rotwein einiges zu bieten hat. Ganz besonders auf den Böden des Buntsandsteins, aber auch auf Muschelkalk und Keuper gedeihen qualitativ hervorragende rote Gewächse. Zehn Prozent der gut 6.000 Hektar Weinbaufläche in Franken sind gegenwärtig mit Rotweinreben bestockt. Und es werden zukünftig noch mehr werden. Schon heute haben Blauer Spätburgunder, Domina, Schwarzriesling und Portugieser ihren Stammplatz in den fränkischen Weinbaubetrieben. Neuere Züchtungen wie der dunkelrote Dornfelder oder auch die pilzresistente Sorte Regent erweitern das Angebot.
Die Rotweinbereitung unterscheidet sich ganz wesentlich von der Weißweinherstellung und stellt sehr hohe Anforderungen an den Kellermeister. Die roten Trauben werden in der Regel entrappt, damit die aus den Stielen und Stängeln stammenden Gerbstoffe nicht in den Most gelangen. Durch diese Maßnahme wird ein unerwünscht hoher Gerbstoffgehalt vermieden.
Bei den fränkischen Rotweinsorten ist die Farbe und auch ein Großteil der Tannine nicht im Fruchtfleisch oder im Saft der Beeren enthalten, sondern in der Beerenhaut. Werden die roten Trauben wie die weißen Trauben gekeltert, so weist der Most nur ein schwaches Rosa auf und das Ergebnis ist ein Weißherbst oder Rosé. Für einen Rotwein muss die Farbe erst aufgeschlossen werden. Das kann mit verschiedenen Verfahren geschehen. Bei der klassischen Maischegärung wird die Maische (= Brei aus Traubensaft, Kernen und Beerenhäuten) vor dem Anpressen angegoren, wobei die Farbstoffe durch die alkoholische Gärung aus den Beerenhäuten gelöst werden. Eine neuere Methode ist die thermische Behandlung, bei der die Maische kurzfristig erhitzt wird, was dazu führt, dass die Farbzellen aufplatzen und die Farbpigmente auf diese Weise in den Most gelangen. Vergleicht man die beiden Methoden, so bringt die traditionelle Maischegärung kräftige, gerbstoffbetonte Weine mit einem großen Alterungspotenzial. Die Weine, die erhitzt worden sind, reifen hingegen etwas schneller und sind meisten von einer leichteren Art.
Das gewisse Etwas erlangen die großen Rotweine dann bei ihrer Lagerung in kleinen Eichenholzfässern (Barrique) mit ca. 225 Litern Inhalt. Diese Fässer, die ihre Heimat im Bordelais haben, sind inzwischen auch in fränkischen Kellern zuhause. Während der Lagerung im Barrique nimmt der Wein feine Aromen aus dem Holz auf und erhält zusätzlich geschmackvolle Nuancen von Nelke, Schokolade und Kaffee. Das Resultat sind ganz erstklassige Spezialitäten, die auch im internationalen Wettbewerb bestehen können. Man sollte einmal einen vollmundigen, im Holzfass gereiften Blauen Spätburgunder aus Franken probieren. Oder die fränkische Rotweinspezialität Domina mit ihrer dunklen Farbe und dem etwas mediterranen Charakter zu einem würzigen Lammbraten. Man wird von diesen hochwertigen Raritäten begeistert sein.
Ein Tipp für Zeitgenossen, die es lieber etwas kleiner und urtümlicher mögen, sind die vielen Strauß- oder Heckenwirtschaften. Da sitzt man im Sommer in der Laube und "schöppelt" gemütlich zu fränkischen Spezialitäten. Oder man besucht mal eine der vielen Weinstuben und -keller: "Pfetzen" Sie ein, zwei Schoppen und schauen dabei so richtig dem "Volk auf´s Maul". Dass Weinkultur in Franken kein Modewort ist, beweisen auch die Würzburger Stiftungen Bürgerspital und Juliusspital, deren Geschichte untrennbar mit dem fränkischen Flaschenoriginal, dem Bocksbeutel, verknüpft ist. Ihre Weinbergbesitzungen, im Mittelalter von reichen Bürgern zur Unterstützung Alter und Kranker gestiftet, dienen heute noch diesem Zweck. Gemeinsam mit dem Staatlichen Hofkeller in Würzburg zählen die beiden Stifte nicht nur zu den größten und renommiertesten, sondern auch zu den ältesten deutschen Weingütern.

      
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